Der Gipfel des Karussells

Es ist ja allgemein bekannt, dass Trainerwechsel nichts bringen. Es gibt aber sicherlich auch einige Mitbürger unter uns, die vom Gegenteil überzeugt sind. Was nun aber erstaunt, ist eher die Feststellung, dass es in den letzten Wochen zahlreiche Kandidaten dieser Berufssparte geschafft haben, ihren alten Posten wieder einzunehmen – bei ihrem alten Verein. Klar könnte man jetzt sagen: Wieso soll sich ein Verein nicht im Trainer vertun und einen Neuanfang wagen? Aber ich frage mich: Wenn ich einem Übungsleiter einmal das Vertrauen ab- und Unfähigkeit zugesprochen habe, warum soll er es dann einige Monate später besser können? Felix Magath in Wolfsburg ist da sogar noch das schlechteste Beispiel: Er wurde ja schließlich nicht von dort gefeuert, sondern ist selber gegangen. Amüsant aber in jedem Fall die Verpflichtungen von Jupp Heynckes in München und Ralf Rangnick auf Schalke. (Pikantes Nebendetail: Erinnert sich noch wer, wen Rangnick in seiner ersten Amtszeit auf Schalke ablöste?)
Zu diesen Personalia bleibt nur zu sagen: Wenn eine Vereinsspitze der Meinung ist, dass sich das Spiel der Mannschaft wirklich weiterentwickeln sollte, wenn sie glaubt, dass der Fußball nicht stehen bleibt, immer neue Lösungen erfordert und es nur durch andauernde Verbesserung möglich ist, dem Lauf der Zeit nicht nachzuhängen: Warum verpflichtet man dann Trainer, die selbst in der Vergangenheit ihren Job schon nicht genügsam absolviert haben? Es ist mir ein Rätsel. Und dieses Rätsel wird sich wohl auch so schnell nicht lüften lassen. Genau wie die beißende Frage, ob Trainerwechsel etwas bringen.

Enttäuschung und Unverständnis

Endlich hat es einen mal wieder richtig mitgerissen. Die Partie der Preußen am vergangenen Samstag gegen den Wuppertaler SV war aus mehreren Gründen ein Anlass, sich wie ein richtiger Fußball-Fan zu fühlen. Denn es war den Gästen tatsächlich gelungen, so viele Unterstützer mitzubringen, dass der für sie vorgesehene Bereich des Stadions nicht nur geöffnet, sondern richtig gefüllt erschien. Und dafür wurden sie auch prompt belohnt: Denn bis zur 65. Minute lagen die Rot-Blauen mit zwei Toren in Front, konnten auf eine Sensation im Preußenstadion hoffen.
Doch dann begann die angesprochene Phase: Der SCP zeigte sich von seiner kämpferischen Seite, riss das Publikum bei fast jeder Aktion mit, kämpfte die Wuppertaler mit einer drückenden Leistung nieder und wurde schlussendlich mit einem 2:2 belohnt, das durchaus noch hätte ausgebaut werden können. Dass es nicht dazu kam, kann vielleicht ganz hilfreich sein, um auf dem Boden zu bleiben, denn die beiden Gegentore wurden durch teilweise haarsträubende Unsicherheiten in der Innenverteidigung ausgelöst und bestätigten damit den Eindruck aus der ersten Partie nach Winterpause in Düsseldorf: die Souveränität in der Defensive muss vor allem bei den Herren Duah und Ndjeng erst noch zurückkehren. Ähnliches gilt für Bourgault im defensiven Mittelfeld, der in der ersten Hälfte eine komplett verkorkste Leistung abrief. Wie es da besser geht, machte Massimo Ornatelli vor. Noch im ersten Durchgang kaum zu sehen, drehte der Flügelspieler in Halbzeit 2 auf und führte die Preußen zum Unentschieden. Dass dies auch der taktischen Umstellung von Trainer Fascher zu verdanken war, sei dabei ebenso erwähnt, wie die Klage, dass diese in der ersten Hälfte anscheinend gar nicht vorhanden war.
Auch nicht vorhanden sein wird der 1. FC Kaiserslautern II in Münster. Die Reserve aus der Pfalz sollte eigentlich am morgigen Dienstag zum Nachholspiel im Preußenstadion auflaufen. Leider wird sie von einer Platzkommission daran gehindert, die den Rasen bei 10° C und Sonne, sowie einer Vorhersage von 7° C für morgen und einer erschütternden Regenwahrscheinlichkeit von 8% (! Quelle: wetter.de !) sperren lässt. Mein Vorschlag: Ab nächstem Jahr machen wir die Winterpause von Oktober bis März oder spielen währenddessen einfach dort, wo die Teams in der Pause eh immer sind: am Arabischen Golf! Wie wäre es mit Katar?

Die allgegenwärtige Angst

Nach dem Spiel in Düsseldorf gab es zwei grundlegende Ansichten: Die einen unter uns waren enttäuscht, dass es die Mannschaft nicht geschafft hat, das zweite, entscheidende Tor zu erzielen, den Sack zuzumachen oder wie die ganzen Sprichwörter heißen. Die übrigen waren erleichtert, ob des ergebnistechnisch erfolgreichen Rückrundenauftaktes, ob der zurückeroberten Tabellenführung oder einfach ob der Möglichkeit, sich nach dem Spiel endlich wieder aufzuwärmen.
Nun soll aber ein zumindest kurzer Blick gewagt werden, was uns da eigentlich am Freitag für ein Spiel unter die Augen kam. Die Preußen mussten am Flinger Broich auf einem Geläuf antreten, was nur grenzwertig zu bespielen war. Bereits in der ersten Hälfte zeigten mehrere Aktionen beider Teams, was Sache war: Der Rasen war anscheinend unmittelbar unter der Oberfläche gefroren, dementsprechend hart und oben glitschig und fest. Zahlreiche Düsseldorfer, die sich erstaunlicherweise noch weniger auf ihrem eigenen Platz damit zurechtfinden konnten, konnten sich des Spottes der Preußenfans sicher sein, wenn sie wieder mal Kontrolle über sich und ihre Beine verloren. Mit Blick auf das Schuhwerk (auch einiger Preußenspieler wie beispielsweise David Buchholz), stellte sich aber auch mir die Frage, ob er mit den Noppenschuhen die richtige Wahl getroffen hatte. Spätestens in Durchgang zwei wurde aber nach einer waghalsigen Aktion Ornatellis klar, dass gegen diesen Boden wohl auch keine meterlangen Stollen gewachsen wären!
Vor dem Hintergrund ist die Leistung der Preußen umso höher zu bewerten: Mit einer gehörigen Souveränität wurde ein Gegner, gegen den man im Hinspiel noch unterlegen war, beherrscht. Und seien wir doch mal ehrlich: Aufgrund der Harmlosigkeit der Rheinländer war doch nie ernsthaft ein Gegentor (außer vielleicht der von Carsten Schulte geschilderten ersten Chance) zu befürchten. Und so war es einerseits ärgerlich, dass Kara die Entscheidung in der zweiten Hälfte verpasste, aber andererseits auch zu verschmerzen. Denn passiert wäre sicherlich nichts mehr. Und das trotz einiger Unsicherheitsfaktoren wie beispielsweise Jürgen Duah! Letztendlich war auch die Schlussphase der Partie eine entspannte Angelegenheit, die nur von einer Hoffnung unterlegt war. Möglichst schnell ins Warme zu kommen!

Das Geheimnis des Zeitspiels

Ganz Fußballdeutschland wird sich heute die Mäuler zerreißen über den seltsamen Vorgang, den es gestern Abend in Sevilla in den letzten Minuten zu bestaunen gab. Das unfassbare Hinauszögern jeglicher Standardsituation, die Verletzung nach jedem Zweikampf, das Nichtabliefern der Bälle, wenn sie im Aus waren – das alles mag jeden Dortmund-Fan auf die Palme gebracht haben. Es war hochgradig unfair und für keinen Sportsmann schön anzusehen. Und doch: So ist es eigentlich immer mit dieser Art der „geschickten“ Spielverzögerung. Gelbe Karten können vom Schiedsrichter verteilt werden, die UEFA könnte im Nachhinein Strafen aussprechen, doch alles wird nichts helfen. Sevilla steht in der nächsten Runde und wer wird sich im Nachhinein noch an diese unsportliche Manier erinnern? Niemand. Außer vielleicht den wenigen Schwarz-Gelben, die sich gestern im Ramón Sánchez Pizjuán. Das ist es. Das Geheimnis des Zeitspiels.

Ein trauriger Gedanke

Soso, die WM 2018 geht also nach Russland und die darauffolgende nach Katar. Was kann es Schöneres geben? Länder, in denen nicht nur die Fußball-Kultur geradezu blüht. Im Ernst: Es wurde viel in den letzten Wochen darüber gesprochen und viel mit den Argumenten der fehlenden Fußballtraditionen in diesen Ländern gearbeitet. Auch das Geld bekam seine negative Rolle zugesprochen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass ohne einen gewissen finanziellen Aufwand ebenfalls keine WM spielbar wäre. Es muss aber auch der Sichtweise, dass Länder wie Russland und Katar keineswegs so hohe Risiken wie beispielsweise Südafrika eingehen müssen, weil Investoren den langfristigen Schaden abfangen können, eine Existenzberechtigung eingeräumt werden.
Was aber gar nicht geht, ist, dass mit diesen beiden sportlichen Großereignissen wieder (!) politisch grenzwertige, fragwürdige oder unannehmbare Nationen und Regierungen eine Gelegenheit bekommen, sich nach außen als harmlos und weltoffen zu präsentieren. Ein internationaler Verband wie die FIFA sollte unabhängig von allen Finanzvorwürfen und Kulturbewahrungsideologien zumindest in der Lage sein, freie und länderübergreifende Zusammenarbeit zu garantieren. Und dazu gehört es auch, Nationen, in denen Menschenrechte teilweise mit Füßen getreten werden, entsprechend zu behandeln. Bestimmt nicht zu belohnen.
Mehrere historische Beispiele haben gezeigt, dass sich die Situationen in Austragungsländern nach scheinbar freudestrotzenden Sportfesten nicht verbessert oder gar verschlimmert haben. Die Olympischen Spiele in Peking waren das jüngste Beispiel. Heute wurde ich in diesem Zusammenhang außerdem an Berlin 1936 erinnert. Es mag ein etwas zu weit gegriffenes Beispiel sein. Allein der Gedanke daran macht aber traurig…



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